Zuhören – analysieren – wiedergeben
Was ist Konsekutivdolmetschen?

Konsekutivdolmetschen ist eine Form der Verdolmetschung, bei der eine Rede gehalten wird (oder einige Sätze gesagt werden), während der oder die Dolmetschende sich Notizen macht, um das Gesagte anschließend in einer anderen Sprache wiederzugeben.
Dabei steht oder sitzt die bzw. der Dolmetschende in der Regel nahe bei der sprechenden Person, ausgerüstet mit Stift und Papier, und spricht, sofern vorhanden, ins Mikrofon, sobald die Rede beendet ist. Es gibt für das Konsekutivdolmetschen verschiedene technische Lösungen, allerdings müssen Dolmetschende, die sie nutzen, immer noch über die weiter unten beschriebenen Kompetenzen verfügen und die verwendeten Mittel souverän beherrschen.
Unter bestimmten Bedingungen (z. B. einem längeren Vortrag) kann auch ein Dolmetscherkoffer (eine tragbare Ausrüstung für das Dolmetschen ohne Kabine) verwendet werden.
Grundkompetenzen
Gute Konsekutivdolmetschende müssen Folgendes können:
- sehr aufmerksam („aktiv“) zuhören und das Gesagte analysieren
- Notizen als Gedächtnisstütze für die Wiedergabe des Gesagten machen
- das Gesagte so wiedergeben, als ob sie es selbst in ihrer eigenen Sprache sagen würden
Über das reine Verstehen der Passiv- bzw. Fremdsprache hinaus sind für jede dieser drei Tätigkeiten verschiedene Fähigkeiten notwendig.
Zuhören
Konsekutivdolmetschende müssen zunächst lernen, „aktiv zuzuhören“. Das mag einfach klingen, aber Dolmetschende hören anders zu, weil der Zweck des Zuhörens eben ein anderer ist – ähnlich, wie auch eine Psychoanalyse eine besondere Art des Zuhörens voraussetzt. Dolmetschende müssen nicht antworten oder auf das Gesagte eingehen. Sie hören zu, um sich das Gesagte zu merken und es genau und getreu in einer anderen Sprache wiederzugeben – so, wie bei der Psychoanalyse nach Hinweisen auf den seelischen Zustand der behandelten Person gehorcht wird.
Um diese besondere Fähigkeit zu erwerben, lernen Dolmetschende zunächst, eine Rede ohne Hilfe von Notizen wiederzugeben. In der Redensammlung finden sich in der Kategorie „Anfänger“ Beispiele von Reden, die sich dafür eignen. Sobald sie dies beherrschen, erlernen die Dolmetschenden die Notizentechnik.
Analysieren
Notizen sind Teil der zweiten Phase, der Analyse. Dazu müssen Dolmetschende in der Lage sein, Informationen zu priorisieren, zwischen erst- und zweitrangigen Informationen zu unterscheiden und schriftlich eindeutig festzuhalten, wer was gesagt hat, wann etwas passiert ist, welche Meinung der oder die Sprechende hat usw. (wer, was, wann, wo, wie).
Wiedergeben
Die dritte und letzte Phase der Wiedergabe des Gesagten erfordert andere Fertigkeiten. Dazu gehören die Fähigkeiten, das Kurzzeitgedächtnis zu aktivieren, die eigenen Notizen zu verstehen und auf gewinnende Weise zu kommunizieren. Stressbewältigung und Stimmschonung sind dabei ebenfalls zentrale Punkte.
Für das Konsekutivdolmetschen ist eine Kombination verschiedener Fertigkeiten erforderlich. Mehrere Sprachen zu beherrschen, mag grundlegend dafür sein, es ist aber nur Teil der Aufgabe. Konferenzdolmetsch-Studiengänge werden an vielen Hochschulen angeboten.
Auf unserer SCICtrain-Videoseite gibt es ein ganzes Kapitel zum Konsekutivdolmetschen. Die ORCIT-Website enthält ebenfalls Lernmodule zu diesem Fach und Auszüge aus unserem Schulungsmaterial.
Ausführliche Informationen bieten zahlreiche Bücher zum Konsekutivdolmetschen, darunter sind auch solche mit Schwerpunkt Notizen. Einige Titel und weitere nützliche Ressourcen finden sich auf unseren Seiten mit Büchern und E-Books sowie mit Artikeln und Magazinen.