Skip to main content
Knowledge Centre on Translation and Interpretation

Aufbau von Kapazitäten

Wie kann ich mich für das Behördendolmetschen qualifizieren?

Arten von Behördendolmetschkursen

In den EU-Ländern werden immer mehr Kurse für Behördendolmetschen angeboten. Dies spiegelt die wachsende Rolle dieses Bereichs in verschiedenen gesellschaftlichen Zusammenhängen wider. Diese Kurse sollen Dolmetscher*innen die Fähigkeiten und Kenntnisse an die Hand geben, die sie benötigen, um eine effektive Kommunikation im Gemeinwesen, z. B. im Gesundheits-, Rechts- und im Sozialwesen, zu ermöglichen.

Hochschulkurse

Viele Behördendolmetschkurse werden an Hochschulen angeboten, entweder als eigenständige Studiengänge oder als Module, die in umfassendere Dolmetsch- oder Übersetzungsstudiengänge integriert sind. Der Europäische Master „Konferenzdolmetschen (EMCI) spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung einer hochwertigen Dolmetscherausbildung in der EU. Während der Schwerpunkt in erster Linie auf Konferenzdolmetschen liegt, nehmen mehrere EMCI-Mitgliedhochschulen auch Kurse oder Module für Behördendolmetschen in ihre Lehrpläne auf.

Darüber hinaus bieten mehrere andere Hochschulen in und um die EU herum spezialisierte Schulungen für Behördendolmetschen an. Hier einige Beispiele:

Universität Alcalá (Spanien): Sie bietet einen Masterstudiengang in den Bereichen Interkulturelle Kommunikation, Behördendolmetschen und Übersetzen an. Dieser Studiengang ist auf diejenigen zugeschnitten, die im Gemeinwesen arbeiten wollen, z. B. in den Bereichen Gesundheitsversorgung oder Rechtsdolmetschen. Dazu gehören praktische Schulungen im Bereich der Kulturmittlung und des Einsatzes von Dolmetschtechnologie.

Universität Leeds (Vereinigtes Königreich): Das Zentrum für Übersetzungswissenschaft bietet im Rahmen seiner Dolmetschstudiengänge ein Modul für Behördendolmetschen an. Dieses Modul vermittelt den Studierenden praktische Fähigkeiten und theoretische Kenntnisse für das Dolmetschen im Rechts-, Gesundheits- und Gemeinwesen. Der Schwerpunkt liegt auf der praktischen Anwendung durch Rollenspiele und szenariobasierte Schulungen mit Materialien aus der Praxis.

Diese Studiengänge spiegeln die zunehmende Anerkennung der Bedeutung einer professionellen Ausbildung im Bereich des Behördendolmetschens wider und legen einen besonderen Schwerpunkt auf berufliche Standards, die den besonderen Herausforderungen der Arbeit in mehrsprachigen, multikulturellen Umgebungen gerecht werden.

Schulungsinitiativen für Behördendolmetschen auf Gemeindeebene

Schulungen für Behördendolmetschen ist nicht auf akademische Einrichtungen beschränkt. Gemeindeverbände und Nichtregierungsorganisationen in der gesamten EU bieten Kurse an, die Einzelpersonen befähigen, in Behörden zu dolmetschen, insbesondere um dem Bedarf von Migrant*innen und Geflüchteten gerecht zu werden. Dazu können Kurzlehrgänge oder Workshops gehören, in denen zweisprachige Personen Dolmetschkenntnisse für den Einsatz im Gesundheits-, Sozial- und Rechtswesen erwerben. Diese Angebote sind oft eine Ergänzung zur formalen Bildung und gehen auf die unmittelbaren Bedürfnisse der Gemeinde ein.

InDialog und Critical Link haben die Notwendigkeit einer orts- und kontextspezifischen Schulung von Dolmetscher*innen in Bereichen wie Gesundheitsversorgung, Bildung und Rechtssysteme hervorgehoben. Ihre Konferenzen befassen sich mit der Vielfalt der Verfahren beim Behördendolmetschen und stellen regionale Initiativen für die Ausbildung von Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen in den Mittelpunkt.

Weitere Informationen zu den Mindestanforderungen und Empfehlungen für die Kernkompetenzen, die in Schulungen für Behördendolmetschen vermittelt werden, finden Sie unter Normen, Rechtsgrundlagen und Berufsethik.

Flexible und inklusive Schulungsmöglichkeiten

Die Schulungen für Behördendolmetscher*innen können hinsichtlich Format und Zugänglichkeit sehr unterschiedlich sein. Sie können von intensiven Kurzlehrgängen bis hin zu Teilzeitstudiengängen reichen und sind so konzipiert, dass sie inklusiv sind und sich an die unterschiedlichen Hintergründe angehender Dolmetscher*innen anpassen lassen. Die Verfügbarkeit dieser Schulungen spiegelt die wachsende Anerkennung der entscheidenden Rolle wider, die das Behördendolmetschen für die Stärkung des sozialen Zusammenhalts und die Gewährleistung eines gerechten Zugangs zu öffentlichen Dienstleistungen spielt.

Im Vereinigten Königreich beispielsweise ist der vom Chartered Institute of Linguists verwaltete Abschluss (Level 6) in Public Service Interpreting (DPSI) eine national anerkannte Qualifikation für angehende Behördendolmetscher*innen. Dieser Lehrgang ist online verfügbar und konzentriert sich auf zentrale Bereiche wie Gesundheit, Recht und lokale Verwaltung.

Einrichtungen wie Herts Interpreting & Translation Services (HITS) bieten Vorbereitungskurse für die DPSI-Prüfung an. Diese Kurse werden in der Regel online angeboten, sodass sie einer breiten und vielfältigen Zielgruppe zugänglich gemacht werden.

HITS bietet praktische und kompetenzbasierte Schulungen, damit die Dolmetscher*innen gut darauf vorbereitet sind, den beruflichen Anforderungen der Arbeit mit dem Gemeinwesen gerecht zu werden. Dieser Ansatz unterstreicht die zunehmende Entwicklung hin zu flexiblen Ausbildungsmodellen, die Lernenden mit unterschiedlichem geografischen und beruflichen Hintergrund Rechnung tragen.

Breitere europäische Unterstützung durch repräsentative Einrichtungen im Bereich des Behördendolmetschens

Das europäische Netz für das Behördendolmetschen und -übersetzen (ENPSIT) spielt eine zentrale Rolle bei der Förderung des Behördendolmetschens in ganz Europa. ENPSIT bringt eine Vielzahl von Interessenträgern zusammen, darunter Behördendolmetschdienstleister, Ausbildungseinrichtungen, Dolmetscher*innen, Übersetzer*innen, Lehrkräfte, Bewerter*innen und Forschende aus verschiedenen europäischen Ländern.

Zu den wichtigsten Beiträgen von ENPSIT gehören:

  • Politische Interessenvertretung: ENPSIT setzt sich aktiv für eine kohärente europäische Politik ein und stellt Mittel für das Behördendolmetschen und -übersetzen bereit. Es formuliert politische Empfehlungen für die Europäische Kommission und führt Dialoge mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments.
  • Normung und Schulung: Das Netz spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Mindeststandards für die Schulung und Bewertung von Behördendolmetschen. Durch Kooperationsprojekte wie die EU-WEBPSI-Initiative trägt ENPSIT zur Schaffung von Online-Schulungsmodulen und IT-Tools bei, mit denen die Qualität und Zugänglichkeit zu Behördendolmetschdiensten verbessert werden soll.
  • Schaffung eines Gemeinschaftssinns: Durch die Vernetzung von Fachkräften und Einrichtungen, die im Bereich Behördendolmetschen tätig sind, fördert ENPSIT den Austausch von bewährten Verfahren, Forschungsergebnissen und innovativen Ansätze für die Dolmetscher- und Übersetzerausbildung.

Die Bemühungen von ENPSIT tragen erheblich zur Professionalisierung und Standardisierung des Behördendolmetschens in ganz Europa bei. Dadurch sind Dolmetscher*innen und Übersetzer*innen gut vorbereitet, um den vielfältigen sprachlichen Wünschen der Menschen, die Leistungen des Gemeinwesens in Anspruch nehmen, gerecht zu werden.

Der europäische Rechtsdolmetscher- und Rechtsübersetzerverband (EULITA) ist eine zentrale Organisation, deren Aufgabe es ist, die Qualität und Anerkennung von Rechtsdolmetschen und -übersetzen in ganz Europa zu verbessern. EULITA bringt nationale Verbände, einzelne Fachleute sowie akademische Einrichtungen zusammen, um sich für berufliche Standards und Schulungen im juristischen Bereich einzusetzen.

Zu den wichtigsten Beiträgen von EULITA gehören:

  • Interessenvertretung und politische Entwicklungen: EULITA arbeitet aktiv mit den EU-Institutionen zusammen, um einheitliche Standards und Verfahren für Rechtsdolmetscher*innen und -übersetzer*innen auf den Weg zu bringen. Er vertritt die Interessen der nationalen Verbände und setzt sich für die Anerkennung des Rechtsdolmetschens und -übersetzens als Fachberufe ein.
  • Schulungen und berufliche Weiterbildung: Der Verband unterstützt die Entwicklung von speziellen Ausbildungsprogrammen und Ressourcen, die auf den Bedarf von Rechtsdolmetscher*innen und -übersetzer*innen zugeschnitten sind. Durch die Organisation von Workshops, Konferenzen und Kooperationsprojekten fördert EULITA die kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung und den Austausch bewährter Verfahren unter Fachleuten.
  • Normung und Zertifizierung: EULITA trägt zur Erstellung und Verbreitung von Leitlinien und Zertifizierungsverfahren bei, mit denen sichergestellt werden soll, dass Rechtsdolmetscher*innen und -übersetzer*innen kompetent und zuverlässig sind. Dazu gehört auch die Beteiligung an der Entwicklung europäischer Normen und die Förderung ethischer Verhaltenskodizes.

Durch diese Initiativen spielt EULITA eine entscheidende Rolle bei der Stärkung der Infrastruktur für Rechtsdolmetschen und -übersetzen in Europa, wodurch der Zugang zur Justiz verbessert und die Rechte von Einzelpersonen in mehrsprachigen Gerichtsverfahren gewahrt werden.

Darüber hinaus unterstützt das Europäische Fremdsprachenzentrum des Europarates die Sprachausbildung und die berufliche Entwicklung von Dolmetscher*innen und Übersetzer*innen. Mithilfe von Projekten, Workshops und Forschungsinitiativen werden bewährte Verfahren und innovative Ansätze für Sprach- und interkulturelle Schulungen gefördert, die mit den Zielen zahlreicher Lehrgänge für Behördendolmetschen in der gesamten EU in Einklang stehen.